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Pater Dr. Jerome Mariadhasan: Der Saal des „Sozialen Wohlfahrtszentrums“ in Salem/Indien als Lebensmitteldepot
Pater Dr. Jerome Mariadhasan: Der Saal des „Sozialen Wohlfahrtszentrums“ in Salem/Indien als Lebensmitteldepot

Ihre Spenden tragen dazu bei, dass die Tränen der Nacht vom Lächeln der Morgenfreude getrocknet werden.

Nach einer Odyssee von sage und schreibe drei Wochen und nur durch die Intervention der Bayerischen Landesbank, konnte Pater Jerome am 13. Mai dieses Jahres endlich die 6000,00 €-Soforthilfe (= 497.120,00 Indische Rupien) in Empfang nehmen, die bereits am 22. April vom Pfarramt Wörth an ihn überwiesen worden waren. Dass sich die Überweisung von Wörth/Donau nach Salem/Indien als äußerst schwierig erweisen würde, darauf hatte die Regensburger Sparkassenzentrale schon vorab aufmerksam gemacht. Die indische, hinduistisch-rechtsnationale Regierung überwacht systematisch jeden Zahlungsverkehr aus dem Ausland. Gelder aus dem Ausland werden auch beschlagnahmt. „Das war unsere größte Befürchtung, dass das Geld von der Regierung abgeschöpft wird“, so der Wörther Pfarrer Johann Baier. Er beschreibt dies als eine Situation des Ausgeliefert-Seins, in der man nichts mehr tun kann, als hoffen und beten und warten und telefonieren und wieder hoffen und beten, dass das Geld doch noch ankommt. „Und derweil verhungerten in Salem weiter die Menschen!“, so der Geistliche.

Pfarrer Baier war am 24. April 2020 mit einem dringenden Hilferuf an die Öffentlichkeit gegangen. Aus erster Hand hatte er von seinem indischen Urlaubsvertreter Pater Dr. Jerome Mariadhasan erfahren, dass in Salem/Südindien viele Menschen am Verhungern seien. Wegen der, auch in Indien grassierenden Corona-Pandemie, habe die indische Zentralregierung eine - mittlerweile schon über zwei Monate währende - Ausgangssperre verhängt, die von den Sicherheitskräften rigoros und auch mit Schikanen gegen die eigene Bevölkerung durchgesetzt werde. Die Ausgangssperre verhindere, dass sich die Tagelöhner als Erntehelfer verdingen könnten. Sie hätten keine Arbeit, verdienten deswegen nichts und könnten nicht mehr für den Unterhalt ihrer Familien sorgen. Darum seien viele Menschen am Verhungern. Doch das werde von der Zentralregierung, bei einer Einwohnerzahl von 1,4 Milliarden Indern, billigend in Kauf genommen. Jeder dieser, meist aus den untersten Kasten stammenden Hunger-Toten sei ein Esser weniger.

„Seit meinem Aufruf vom 24. April gehen Gott sei Dank laufend Spenden zur Linderung der Hungersnot ein“, erläutert der Stadtpfarrer, der überrascht und überwältigt zugleich ist. Die Spenden reichten von je 50,00 €, die zwei Schüler/Geschwister von ihrem Taschengeld abgezweigt hätten, bis zu 10.000,00 €, die ein bekannter, mit seiner christlichen Überzeugung nicht hinter dem Berg haltender Verleger überwiesen habe. Zwischen dieser Bandbreite seien Spendenbeträge in unterschiedlichster Höhe verbucht worden.

Mit dem am 13. Mai nun endlich ausbezahltem Geld, konnte Pater Jerome zahlreiche Lebensmittelpakete zusammenstellen. Sie bestehen aus den Grundnahrungsmitteln Reis, Öl, Weizenpulver und Linsen. Die Essenspakete wurden an die Hungernden in Salem verteilt, wo Pater Jerome vor sechs Jahren, mit kräftiger Unterstützung durch die Pfarrei Wörth/Donau, ein „Soziales Wohlfahrtszentrum“ zu errichten begann. Zudem versorgte er auch die Bedürftigen in der Pfarrei eines Pallottiner-Mitbruders: „Es handelt sich hier um eine sehr, sehr arme Pfarrei mit überdurchschnittlich vielen Menschen aus den sogenannten „niedrigsten Kasten“, erläutert Pfarrer Baier. In Indien sei das „Kastenwesen“ offiziell längst abgeschafft. In der Praxis aber bestimme nach wie vor die Kastenzughörigkeit das Zusammenleben der Menschen. In dieser Pfarrei von Jerome´s Mitbruder, die 200 Kilometer von Salem entfernt liege, hätten 200 Familien auch diese Lebensmittelpakete bekommen. Pater Jerome habe zudem noch ein Waisenhaus der dortigen Mutter-Teresa-Schwestern mit lebensnotwendigem Essen versorgen können. Die ausgehungerten Waisenkinder hätten so gut wie nichts mehr zu essen gehabt.

In seiner, an Pfarrer Baier gerichteten Email vom 24.05.2020, schreibt der rastlos tätige Pallottinerpater Jerome: „Vielen Dank für Ihre Hilfe. Jeden Tag werden hier mehr und mehr Leute infiziert. Aber langsam, ich denke ab 1. Juni, ist die Ausgangssperre nicht mehr so streng, weil die Leute gerne arbeiten wollen, um für sich und ihre Familien ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie sind Tagelöhner und haben deswegen kein Geld. (…) Ja, wenn es geht, bitte noch einmal 5000,00 € schicken. (…) Vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihre großartige Hilfe.“

Um sicherzugehen, dass die Spenden auch ganz bestimmt in Salem ankommen, versuchte die Pfarrei Wörth den nächsten Teilbetrag an Spenden über das Auswärtige Amt an die deutsche Botschaft in Salem zu transferieren. Doch Fehlanzeige: Aufgrund der, auch in Indien grassierenden Corona-Pandemie, sind dort alle deutschen Botschaften geschlossen. Sämtliche Botschafts-Mitarbeiter wurden nach Deutschland ausgeflogen. Derzeit sei keine Unterstützung über das Auswärtige Amt möglich, so die lapidare Antwort. Also bleibt wieder nur die Banküberweisung als der einzige Weg.

Innerhalb nur eines Monats sind übrigens insgesamt 32.610,00 € Spenden zur Unterstützung von Pater Jerome Mariadhasan zusammengekommen. „Mit den zusätzlich - bereits im April - freigegebenen Spendengeldern können wir nun den an Hunger leidenden Menschen mit zusammen über 38.610,00 € helfen! Ich finde das großartig und ein wunderbares Zeugnis christlicher Solidarität“, freut sich Pfarrer Baier, der von Herzen dankbar darauf hinweist, dass die Spenden nicht nur aus der Pfarrgemeinde Wörth/Donau gekommen sind. Sein Spendenaufruf sei auch in seinen früheren Pfarreien Aiterhofen und Geltolfing und im Straubinger Bereich gehört worden und habe auch von dort eine große Unterstützung erfahren: „Offensichtlich hat viel Mundpropaganda dazu beigetragen, dass die Leute auf die Not dort in Süd-Indien aufmerksam geworden sind und uns eine Spende haben zukommen lassen.“

Auf seine eindringliche Bitte hin, hat die Pfarrei Wörth am 25.05.2020 eine weitere Tranche von 500.000,00 indischen Rupien (= ca. 6.000,00 €) als Hungerhilfe an Pater Jerome angewiesen. „Wieder können wir nur hoffen und beten, dass das Geld baldmöglichst bei ihm in Salem ankommt!“, so Pfarrer Baier, der den Spendern zu tiefstem Dank verpflichtet ist: „Ihre Spenden tragen dazu bei, dass die Tränen der Nacht vom Lächeln der Morgenfreude getrocknet werden.“

 

Wörth/Donau, 29.05.2020     Johann Baier, Pfarrer